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   Bericht: Unternehmerinnen-Seminar 28.11.2018

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„Als Bäuerin gut abgesichert - Lücken und Lösungen“

So lautete das Thema eines Unternehmerinnenseminars, das die SaarLandFrauen in Kooperation mit dem LandFrauenverband Pfalz in den Räumen der Arbeitskammer in Kirkel veranstaltet hatte. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Landwirtschaftskammer für das Saarland. Als Referentin konnte Camilla Atmer Steitz, Vorsitzende der SaarLandFrauen, konnte Anne Dirksen, Leiterin der Sozioökonomischen Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, gewinnen. Teilnehmerinnen waren Landwirtinnen aller Altersgruppen aus dem Saarland und der Pfalz.

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Nach ihren eigenen Interessen gefragt, wurden folgende Themen als besonders wichtig identifiziert: Absicherung im Alter, Erbrecht, Hofübergabe und Vollmachten sowie die Patientenverfügung.

Frau Dirksen berichtete aus ihrer Praxis, dass die Frauen in den landwirtschaftlichen Betrieben ganz oft einen vollen Arbeitseinsatz brächten, das soziale Absicherungsniveau jedoch weit hinter dem des Ehemanns zurückbleibe. Die Konsequenz hieraus sei, dass die erwachsenen Kinder dann für Ihre Mutter sorgen müssten.

Es soll daher mit Blick auf die soziale Absicherung bei Verträgen nicht immer die steuerlich günstigste Alternative für den Betrieb gewählt werden, da diese oft nicht die Absicherung der Bäuerin gewährleistet. Allzu oft gibt es Widerstände in den Familien über Verträge zu sprechen, aber: Wer sich über die Zeit vertragen will, braucht einen Vertrag!

Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht, Vorsorgevollmacht und Generalvollmacht sowie Eheverträge und Scheidung wurde vormittags thematisiert. Bei nichtehelichen Partnerschaften ist es möglich einen Partnerschaftsvertrag auch ohne Notar zu schließen, besser ist natürlich mit Hilfe des Notars. Wenn die Ehefrau oder Partnerin ihr eigenes Geld - also angespartes oder geerbtes - in den Betrieb ihres Mannes einbringt, um evtl. die Liquidität für einen gewissen Zeitraum zu stützen, sollte unbedingt ein Darlehensvertrag aufgestellt werden. Verträge sind zweiseitige Rechtsgeschäfte, inhaltlich ist man gestaltungsfrei, solange man nicht gegen die guten Sitten verstößt, aber beide Parteien bezeugen mit ihrer Unterschrift, dass sie einverstanden sind.

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Nach dem Mittagessen ging es weiter mit Erbrecht. Hierbei sind auch etliche Fallstricke zu berücksichtigen. Im Prinzip gibt es hierbei ganz klare gesetzliche Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Denjenigen, für den andere Modelle besser passen, ist der Weg des Testamentes oder des Erbvertrages offen. Anschließend wurde Altersvorsorge mit Rente, Berücksichtigung der Kindererziehung und die nicht vorhandene soziale Absicherung bei Minijobs behandelt. Bei Aufstockung eines Minijobs, also Verzicht auf Rentenversicherungsfreiheit, sind bei einem geringen Eigenanteil der volle Versicherungsschutz, Riester-Zulagenberechtigung und Minijob-Rente gewährleistet.

Den ganzen Tag über waren die Diskussionen über die genannten Fragestellungen lebhaft. Alle Anwesenden brachten sich aktiv im Seminar ein. Sie waren sich einig, dass bei jedem noch Handlungsbedarf, nicht nur für die soziale Absicherung im eigenen Betrieb, besteht.

Frau Dirksen hob besonders hervor, dass "die Frau" die Absicherung selbst in die Hand nehmen muss. Die eigene Vor- sorge ist Not-wendig. In der Regel ist es so, dass nur ich ganz genau weiß was ich möchte und was gut für mich ist. Ganz wichtig ist es, Verträge von einem Dritten überprüfen zu lassen. Dabei geht es gar nicht darum, die Entwürfe zu verbessern. Vielmehr nutzt der Blick eines Dritten oft, herauszufinden, ob das, was im Vertrag steht, auch wirklich so gemeint ist.

Die Frauen haben mit auf dem Weg bekommen, die bestehenden Verträge in regelmäßigen Abständen (spätestens nach 10 Jahren) zu überprüfen, da sich die Voraussetzungen für einen Vertrag und die Lebensumstände im Laufe der Zeit ändern können. Zum Schluss sollte jede Teilnehmerin eine eigene Checkliste erarbeiten mit den für sie relevanten Punkten, die zuhause im Betrieb noch zu klären sind.

Isabel Steinhauer-Theis, Vizepräsidentin der LandFrauenverband Pfalz und Camilla Atmer Steitz bedankten sich mit den Teilnehmerinnen bei Anne Dirksen für ein lebenswichtiges Seminar, das permanent zur Hinterfragung der eigenen Situation aufforderte. Es wurde begrüßt, dass die Landwirtschaftskammer für das Saarland die sozioökonomischen Themen in einer Vortragsreihe aufgreifen will. Begonnen wird im ersten Quartal mit dem Thema "Erben und Vererben".

Frau Steinhauer-Theis wies zum Abschluss auf das nächste Unternehmerinnenseminar mit dem Thema "Mein Betrieb ist nur so stark wie ich" am 13. März 2019 in Blaubach hin.

LandFrauenverband Pfalz und SaarLandFrauen veranstalten in Kooperation zweimal im Jahr Tagesseminare für Unternehmerinnen.

 
 

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